«Nur» gespielt? Warum Kinder dabei fürs Leben lernen

Die Bedeutung des Spiels für die emotionale und soziale Entwicklung im Kindergarten. Für die meisten Kinder in der Schweiz stellt der erstmalige Besuch des Kindergartens den Eintritt in das Volksschulsystem dar. Für einige bedeutet dies den ersten längeren Kontakt mit Gleichaltrigen in einer Gruppe und ermöglicht ihnen den Zugang zu einem neuen Lern-, Erfahrungs- und Spielraum. Dadurch, dass sich der Unterricht im Zyklus 1 stark auf die Entwicklung der Kinder fokussiert, stellt das Spiel einen wichtigen und direkten Lebensweltbezug der Kinder dar.

01. September 2026

Das Recht auf Spielen ist in der UN-Kinderrechtskonvention verankert, und «spielen» bedeutet nicht nur das Ausüben von Freizeitaktivitäten, sondern beinhaltet auch eine Vielzahl von Aspekten, die über rein fachliche Inhalte hinausgehen. Der Schwerpunkt liegt vor allem auf der Förderung <u>überfachlicher Kompetenzen</u>.

Laut Forschung gibt es Hinweise darauf, dass Generation Alpha in der Freizeit häufig beschäftigt ist (Maas, 2021). Sei es Geigenunterricht, Kindertanzkurs, Fussball und/oder Früh-Englisch, die Freizeit der Kinder ist geplant. Die starke Vorstrukturierung der Freizeit kann sich jedoch auch kritisch auf die soziale Entwicklung auswirken, da weniger Raum für freies, selbstbestimmtes Spiel und spontane soziale Aushandlungsprozesse bleibt (Lieger, 2021). Entsprechend zeigt sich bereits im Kindergarten eine grosse Heterogenität.

Wir sollten die Kinder im Spiel dazu anleiten ihr eigenes Leben zu gestalten, Entscheidungen zu treffen und selbst handeln zu können. Stamm (2014) bezeichnet dabei das Spiel als Aktivität, welche die Kinder von sich aus initiieren. Dabei spielt die intrinsische Motivation eine grosse Rolle: Die Tätigkeit selbst auszuführen, dranzubleiben und das Spiel selbstwirksam zu gestalten, bewirkt, dass die Kinder sich mit der Sache selbst (z.B. Realitätsbezug in einer Lernumgebung: Marktstand, Bahnhof, Spital...) emotional verbunden fühlen und sich für die damit verbundenen Tätigkeiten interessieren (Hauser, 2016). Folglich wirkt sich dies auch nachhaltiger auf den Wissenszuwachs aus. Verschiedene emotionale und auch soziale Erfahrungen werden gemacht und andere Menschen werden versucht «zu lesen».

Sozio-emotionale Kompetenzen gehören bei uns an der Schule Meggen zu den Kulturtechniken, genauso wie Lesen, Schreiben, Rechnen…

Gerade vor diesem Hintergrund wird die Bedeutung von Spielumgebungen sichtbar, die Kindern eigenständiges Handeln ermöglichen. Je unstrukturierter das Spielmaterial ist, desto eher werden Kinder aktiv und gestalten ihr Spiel selbst: So kann ein Stock im Wald zum Hammer werden, ein Seil verwandelt sich in eine Schlange, aus der heraus ein Zoo gebaut wird – inklusive selbst gestalteter Eintrittstickets für Besuchende…

Kinder brauchen dafür genügend Zeit für freies Spiel – sowohl im Kindergarten als auch zu Hause. Nicht jeder Nachmittag muss vollständig verplant sein. Kinder brauchen Gelegenheiten, gemeinsam mit anderen Kindern zu spielen, zu diskutieren, zu streiten, zu verhandeln und Lösungen zu finden. Nicht jede Entwicklungsaufgabe kann in Einzelsettings oder durch erwachsenenangeleitete Förderung erworben werden. Viele soziale Kompetenzen entstehen erst im Miteinander der Kinder.

Gerade im freien, selbstbestimmten Spiel entwickeln Kinder ihre Kreativität, ihre Problemlösefähigkeiten und ihre Selbstständigkeit. Freies Spiel schafft Raum für genau solche Lern- und Entwicklungserfahrungen, die sich nicht gezielt instruieren lassen, sondern aus dem eigenständigen Tun und Erleben der Kinder entstehen.

Durch das Vorhaben «Schulen für alle» des Kantons Luzern stehen wichtige Schritte in der inklusiven Schulgestaltung an, welche uns dazu auffordern überfachlicher zu unterrichten. Denn «Sozialkompetenz ist – neben den selbstregulatorischen Fähigkeiten – ein wesentlicher Prädiktor für späteren Schulerfolg» (z.B. Fantuzzo, Sekino & Cohen, 2004; zit nach Hauser, 2016, S. 158).

Deshalb hat die Förderung der sozio-emotionalen Entwicklung im Kindergarten einen besonders hohen Stellenwert und sollte über die gesamte Schulzeit hinweg konsequent weitergeführt werden.

In diesem Zusammenhang gewinnt der schulische Alltag als Beobachtungs- und Förderkontext an Bedeutung. Gleichzeitig ist es zentral, diese Beobachtungen nicht eindimensional zu betrachten, sondern in einer mehrperspektivischen und multidimensionalen Weise einzuordnen. Die Einschätzungen von Lehrpersonen sollten stets mit weiteren Sichtweisen verknüpft werden – etwa mit jenen der Eltern, der Fachpersonen schulischer Dienste sowie weiterer beteiligter Fachstellen, aber auch mit den Perspektiven der Lernenden selbst. Erst durch das Zusammenführen dieser unterschiedlichen Blickwinkel entsteht ein umfassenderes und differenzierteres Bild kindlicher Entwicklung und möglicher Unterstützungsbedarfe.

In diesem Zusammenhang übernehmen Lehrpersonen (und auch Eltern) die wichtige Rolle als Spiel- und Lernbegleitung zur Förderung von sozio-emotionalen Kompetenzen. Denn gemäss der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeichnet sich ein lebenskompetenter Mensch durch die Fähigkeit aus, sich selbst adäquat zu kennen und zu schätzen (Emotionen einzuordnen), Empathie zu zeigen, kreativ und kritisch zu denken, effektiv zu kommunizieren und tragfähige Beziehungen zu entwickeln (World Health Organization, 2026).

Damit diese Förderung nachhaltig wirkt, ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Elternhaus entscheidend. Der regelmässige Austausch zwischen Schule und Erziehungsberechtigten ermöglicht es, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen und die Kinder ganzheitlich in ihrer Entwicklung zu unterstützen: In der Schule und zu Hause.

Auszüge aus der Masterarbeit von Delia Noack und Tamara Klossner, 2026

Quellenangaben auf Nachfrage bei Tamara Klossner erhältlich

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